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Stefan AltmeyerReligionspädagogische Beiträge

Stefan Altmeyer,

Religionspädagogische Beiträge

Abschied von der Krise

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht die omnipräsente Verwendung des Krisenbegriffs in der Religionspädagogik und Theologie kritisch. Anhand einer korpuslinguistischen Analyse von 480 religionspädagogischen Fachaufsätzen (1975-2004) zeigt Altmeyer drei klassische Krisenkonzepte auf und fragt, ob Krisendenken der Gegenwartsanalyse wirklich gerecht wird. Als Alternativen zur Krisensemantik werden die Konzepte Kairos und eine offene Haltung zur Gegenwart vorgestellt.

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Stefan Altmeyer setzt sich kritisch mit der habituellen Verwendung des Krisenbegriffs in der Religionspädagogik auseinander. Ausgehend von Barack Obamas Antrittsrede 2009, die eine "Krisendiagnose" mit religiös-politischem Pathos verband, fragt der Autor, wie schnell sich Krisenkonzepte abnutzen und ob ein anderer Blick auf die Gegenwart möglich ist. Nach einer begriffsgeschichtlichen Orientierung werden drei klassische Konzepte der Krise unterschieden: (1) die juristische Krise als Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht (Vergangenheitsbezug), (2) die medizinische Krise als Entscheidungssituation zwischen Leben und Tod (Gegenwartsbezug) und (3) die theologische Krise als Ausscheidung von Heil und Unheil (Zukunftsbezug). Eine Analyse von 480 religionspädagogischen Aufsätzen zeigt, dass alle drei Krisenkonzepte in der Disziplin verwendet werden, etwa die "Tradierungskrise" (Unterscheidungskrise), die "Identitätskrise" (Ausscheidungskrise) und die "je aktuelle Krise" (Entscheidungskrise). Der französische Philosoph Jean-Luc Nancy bietet eine wichtige Kritik: Krisendenken verstellt den Blick auf die Gegenwart, weil es diese entweder durch Vergangenheitsnormen, zukünftige Optionen oder aktuelle Handlungszwänge überlagert. Statt die Gegenwart in ihrer eigenen Qualität wahrzunehmen, wird sie als Mangel, Zwischenstadium oder bloße Handlungsaufforderung behandelt. Als Alternativen präsentiert Altmeyer zwei literarische Figuren: Den antiken "Kairos" (der flüchtige, qualitative Augenblick) und die biblische Figur des Zachäus. Diese zeigen, dass es möglich ist, die Gegenwart außerhalb der Krisenlogik zu denken – offen für unerwartete Begegnungen, für Spuren von Sinn und mögliche Heilserfahrungen. Der Artikel plädiert dafür, der Gegenwart ihre "besondere Qualität zuzutrauen" und religionspädagogisches Denken nicht primär im Modus der Krise, sondern in offener Aufmerksamkeit auszuüben.

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