Der Artikel von Sabine Pemsel-Maier befasst sich mit der Frage, ob konfessionell-kooperatives und interreligiöses Lernen als äquivalente Lernformen behandelt werden können oder ob zwischen ihnen grundlegende Unterschiede bestehen. Die Autorin beginnt mit einer empirischen Studie, in der sie 30 Vorschüler aus Baden-Württemberg kurz vor ihrem Schuleintritt zu ihrem Verständnis von Religion und Konfession befragte. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder im Vorschulalter die Begriffe "katholisch" und "evangelisch" kaum kennen und konfessionelle Differenzen nicht als bedeutsam wahrnehmen, während religiöse Unterschiede (insbesondere zum Islam) stärker präsent sind. Im Hauptteil wird eine differenzhermeneutische Analyse durchgeführt. Die Autorin identifiziert mehrere prinzipielle Unterschiede: (1) Unterschiedliche Bezugswissenschaften: Ökumenische Theologie für konfessionelle Kooperation, Komparative Theologie für interreligiöses Lernen; (2) Unterschiedliche Ausgangspunkte: Christliche Konfessionen teilen einen gemeinsamen Ursprung in Jesus Christus, Religionen nicht; (3) Unterschiedliche Zielvorstellungen: Ökumene strebt "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" an, interreligiöse Verständigung zielt auf "Frieden und Konvivenz"; (4) Unterschiedliche theologische Bewertung von Pluralität: Konfessionelle Trennung bleibt theologisch ein Ärgernis, religiöse Pluralität nicht. Die Autorin kritisiert die aktuelle Praxis, bei der interreligiöses und interkonfessionelles Lernen oft parallelisiert und gleichbehandelt werden, etwa in der "Kooperierenden Fächergruppe" an Hochschulen. Sie plädiert für eine differenzierte Didaktik, die diese Unterschiede in der Rahmung, im Modus der Darstellung und in der performativen Gestaltung berücksichtigt. Konfessionell-kooperatives Lernen sollte das gleiche Objekt aus verschiedenen Perspektiven betrachten, während interreligiöses Lernen verschiedene Gegenstände bearbeitet. Im Ausblick fordert die Autorin die Entwicklung einer differenzierten Differenzkompetenz und einer Didaktik der "doppelten Perspektivenverschränkung", die beide Lernformen sinnvoll kombiniert.