Der Artikel behandelt eine zentrale Herausforderung der Christologiedidaktik: Wie lässt sich das klassische christliche Bekenntnis zu Jesus Christus als „wahrer Gott und wahrer Mensch" Kindern und Jugendlichen vermittelbar machen? Die Autorin identifiziert drei grundlegende Herausforderungen: (1) die Vermittlung der Göttlichkeit Jesu neben seiner Menschheit, (2) die Akzeptanz seiner echten Menschlichkeit und (3) das Paradoxon der gleichzeitigen Aussage widersprechender Eigenschaften. Empirische Studien zeigen, dass Schüler/-innen die Zwei-Naturen-Lehre von Chalcedon als „teils-teils" oder „halb-halb" verstehen, was theologisch unbefriedigend ist. Die Autorin entwickelt deshalb einen Alternativzugang: Karl Rahners anthropologisch gewendete Christologie, die nicht additiv von zwei Naturen ausgeht, sondern vom geglückten Menschsein als Erfüllung der menschlichen Transzendenz auf Gott hin. Jesus Christus wird so als „ganz Mensch" und „ganz Gott" verstanden – nicht als Paradoxie, sondern als Entsprechung. Sein Menschsein ist vollendetes Menschsein, das sich ganz auf Gott ausrichtet; in dieser Ausrichtung zeigt sich seine Göttlichkeit. Dieses Modell bietet Vorteile: Es vermeidet die „Baukasten-Christologie", ermöglicht Beziehungskategorien und wird nicht irrational. Gleichzeitig entstehen neue didaktische Herausforderungen: die Vermittlung der Gottesorientierung als übernaturales Existential und die Vermeidung eines glattgebügelten „Vorbild-Jesus". Die Autorin beschließt ihren Beitrag mit unterrichtspraktischen Konkretionen durch Metaphern, Sprachbilder und Visualisierungsbeispiele, die zeigen, wie subtile theologische Unterscheidungen für Schüler/-innen elementarisierbar werden.