Michael Quisinsky thematisiert die Herausforderung, dogmatische Fragen und Zweifel von Schülern im Biblieunterricht angemessen zu behandeln. Der Artikel beginnt mit der Beobachtung, dass Bibeldidaktik trotz ihres Reichtums auch als „Fass ohne Boden" erscheinen kann, das Lehrende und Lernende ohne kohärente Gesamtperspektive zurücklässt. Der Autor identifiziert konkrete Situationen, in denen Schüler „ungeplant" Fragen stellen, die als dogmatisch oder fundamentaltheologisch zu bezeichnen sind – etwa Fragen zum Sinn des Glaubens an Gott überhaupt, zur Handlungsweise Gottes oder zur Zuverlässigkeit biblischer Aussagen. Der zentrale Anspruch des Artikels besteht darin, dass „Dogmatik ein Teil der Bibeldidaktik ist". Dies bedeutet nicht, dogmatische Vorlesungen oder autoritäre Formeln als Unterrichtsmethode einzuführen, sondern eine gegenseitige Durchdringung von Theorie und Praxis zu ermöglichen. Der Lehrende benötigt drei Kompetenzen: erstens situatives Einfühlungsvermögen, zweitens ausreichende Kenntnisse der Bibel und ihrer Hermeneutik, drittens dogmatisch fundierte Reflexions- und Sprachfähigkeit. Als grundlegende Herangehensweise schlägt Quisinsky vor, von den Leitideen der „Geschichte Gottes mit den Menschen" und der „Geschichte der Menschen mit Gott" auszugehen. Diese beiden komplementären Perspektiven entstammen der Begegnung von biblischer und dogmatischer Reflexion und ermöglichen es, das Verständliche und Unverständliche, Sperrige und Perspektiveneröffnende in einem größeren Horizont einzuordnen, ohne es zu harmonisieren oder abschließend zu beantworten. Der Reflexionsbegriff „Heilsgeschichte" wird als Instrument verstanden, um die Vielfalt der oft nicht harmonizierbaren Gottes- und Menschengeschichten in und mit der Bibel artikulierbar zu machen. Dies gilt nicht nur für spontane Schülerantworten, sondern auch für kreative Zugänge zur Bibel (Literatur, Film, Musik) und größere Projekte. Der Artikel erörtert abschließend zwei zentrale Herausforderungen: Die Integration gegenwärtiger Infragestellungen und Zweifel in das dogmatische und bibeldidaktische Denken sowie die produktive Gestaltung eines unvermeidlichen Pluralismus durch „wechselseitige Unterbrechungen" zwischen Glaube und Kultur. In diesem Sinne können dogmatisch reflektierte Statements in einen bibeldidaktisch eröffneten Erfahrungsraum hineinführen und Hilfestellungen geben, ohne diesen abzuschließen.