Der Artikel analysiert das Internationale Theologieprogramm in der Türkei, ein Studienprogramm das von der türkischen Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten) initiiert wurde, um religiöse Führungskräfte für türkische Diasporagemeinden, insbesondere in Europa, auszubilden. Die Forschung basiert auf 27 qualitativen Interviews mit deutschen Studierenden und Alumni, die zwischen September 2019 und Dezember 2021 durchgeführt wurden. Der Autor untersucht das Programm im Kontext transnationaler islamischer Hochschulbildung und argumentiert gegen vereinfachte Darstellungen als bloße politische Instrumente. Das Programm wurde in Reaktion auf die post-9/11 Sicherheitsklimachange in Europa gegründet und bietet ein fünfjähriges Bachelor-Studium mit zwei Semestern Arabischvorbereitung. Der Artikel identifiziert zwei zentrale Problemfelder: Erstens beklagen deutsche Studierende das Fehlen von theologischen Studien in ihrer Muttersprache, wodurch sie Schwierigkeiten haben, theologische Fachbegriffe und Konzepte auf Deutsch zu vermitteln – ein erhebliches Defizit für ihre zukünftige Rolle als religiöse Multiplikator in Deutschland. Zweitens kritisieren die Studierenden die mangelnde Integration ihrer Lebenswelten als deutschstämmige Muslime in den Lehrplan. Sie beklagen, dass das Programm zu wenig auf die spezifischen Herausforderungen eingeht, denen sich Muslime als Minderheit in Deutschland gegenübersehen, etwa zu Fragen von Geschlecht, Sexualität oder alltäglichen Praktiken. Als Reaktion bilden Studierende eigenständig Lerngruppen zur Kompensation dieser Lücken. Der Artikel zeigt, dass das Programm zwar ambitioniert ist, seine Ziele aber nur teilweise erfüllt, und demonstriert die wichtige Rolle von Studierendenagentur bei der Gestaltung transnationaler Lernräume.