RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Religionspädagogische BeiträgeMarkus Tomberg

Religionspädagogische Beiträge,

Markus Tomberg

Religiös bilden? Glauben lernen?

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht die entfremdete Beziehung zwischen schulischem Religionsunterricht und kirchlicher Katechese. Tomberg argumentiert, dass beide Bereiche vom Dialog profitieren könnten, insbesondere durch die Nutzung von Bildungsstandards als gemeinsamen Gesprächsanlass. Am Beispiel der Erstkommunionkatechese werden Chancen und Schwierigkeiten einer standardorientierten religionspädagogischen Arbeit analysiert.

Products

Der Artikel behandelt die Entfremdung zwischen Religionsunterricht in der Schule und Katechese in der Gemeinde, die sich seit der Würzburger Synode (1974) verstärkt hat. Tomberg zeigt, dass beide Bereiche zwar unterschiedliche Lernorte, Lernbedingungen und Ziele haben, aber durch eine gemeinsame religionspädagogische Zielsetzung verbunden sind: Menschen den sinnstiftenden Kontakt mit Religion zu ermöglichen. Der Autor identifiziert verschiedene Typen religiösen Lernens: „learning about religion" (religionswissenschaftliches Lernen), „learning from religion" (Lernen aus Religionen als Ressource für Sinnorientierung) und „learning in religion" (Einführung in konkrete religiöse Traditionen). Diese Unterscheidung ist jedoch problembelastet, da unklar bleibt, wie Religion im pädagogischen Kontext präsent sein soll. Am Beispiel der Erstkommunionkatechese zeigt Tomberg die Dialektik von Diakonie (Dienst an der Gottebenbildlichkeit) und Martyrie (bezeugender Charakter) als Kernmerkmal konfessionellen religiösen Lernens. Diese Dialektik konstituiert den Erfahrungsraum des Religiösen selbst und ist bis in didaktisch-methodische Entscheidungen wirksam. Bei der Analyse von Bildungsstandards für Religionsunterricht stellt Tomberg fest, dass diese zwar das konfessionelle Profil religiösen Lernens stärken könnten, derzeit aber eher religionswissenschaftlich orientiert sind. Er kritisiert zwei Probleme: Erstens das Operatorenproblem – die Standardformulierungen sind oft sachbezogen und verfehlen damit den dialogischen, beziehungsorientierten Charakter christlicher Religion. Zweitens das Kompetenzbeschreibungsproblem – religiöse Kompetenz wird meist religionswissenschaftlich und nicht konfessionell beschrieben. Der Autor schlägt vor, religiöse Kompetenz als „Fähigkeit, sich mit Anderen mit Hilfe einer religiösen Tradition über Zugänge zur religiösen Deutung von Wirklichkeit verständigen zu können" zu definieren. Diese Definition ist advokatorisch und dialogisch verfasst, nicht im Gegensatz zur Tradition, sondern aus ihr heraus. Konkret für die Erstkommunionkatechese schlägt Tomberg Standards vor, die dialogische Handlungen im Umgang mit religiösen Inhalten ermöglichen: Kinder können in Gesten oder Gebeten Erfahrungen ausdrücken, Jesus-Geschichten erzählen und anderen (z.B. evangelischen oder muslimischen Mitschülern) erklären, was Erstkommunion bedeutet. Abschließend plädiert der Autor für ein Gespräch zwischen Religionsunterricht und Katechese, in dem beide von der Dialektik von Diakonie und Martyrie, Glaube und Bildung profitieren können. Standardorientiertes Lernen könnte religiöse Autonomie aus Religion – nicht im Gegensatz zu ihr – ermöglichen, wenn es gelingt, religiöses Wissen dialogisch zu kontextualisieren.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.