Der Artikel untersucht die Vorstellungskonstanten und -veränderungen von 42 Gymnasiast*innen (17–18 Jahre) zur Opferthematik angesichts unterschiedlicher Kontextualisierungen. Nach einer theoretischen Verortung des Vorstellungsbegriffs in der Religionspädagogik wird der "Conceptual Change"-Ansatz als Analysewerkzeug eingeführt. Die Autorin begründet die exemplarische Wahl der Opferthematik mit deren Relevanz in alltäglichen und theologischen Kontexten sowie ihrer Vielschichtigkeit: Der Begriff "Opfer" umfasst zwei Kernbedeutungen – "sacrificium" (Opfer-Bringen) und "victima" (Zum-Opfer-[gemacht]-Werden) – und wird sowohl anthropologisch als auch theologisch verwendet. Basierend auf christlich-theologischen Diskursen werden fünf theologische Opfermodelle sowie zwei weitere, von Schüler*innen generierte Modelle identifiziert. Die empirische Studie nutzt ein explorativ-qualitatives Design mit schriftlicher Befragung der Schüler*innen zu zwei unterschiedlich gerahmten Fragestellungen (alltagsweltlich mit Begriffen wie Familie, Freundeskreis, Schule, Medien; theologisch mit Verweis auf Jesu Tod). Die Auswertung orientiert sich am Integrativen Basisverfahren nach Jan Kruse mit frame-semantischer Analyse. Die Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche beim Kontextwechsel "Conceptual Change"-Prozesse in horizontaler Perspektive vollziehen: Sie aktualisieren je nach Kontext unterschiedliche, aber gleichrangige Vorstellungen. Auf der Motivebene werden fünf Typen unterschieden – Konsistenz, Fokussierung, Adaptierung, Figuration und Neuthematisierung. Dabei korrelieren formale Veränderungsmuster mit inhaltlicher Ausdifferenzierung. Auf der Modellebene zeigt sich eine deutliche Konzentrierungstendenz: Von der größeren Breite alltagsweltlicher Opfermodelle wechseln Jugendliche zu weniger, dafür homogeneren Modellen in der theologischen Rahmung. Besonders bemerkenswert: Die beiden Bedeutungsstränge "victima" und "sacrificium" sind nicht gleichgewichtet präsent; "sacrificium" gewinnt in theologischen Kontexten an Bedeutung. Ein wichtiges Ergebnis ist, dass eigenständige theologische Vorstellungen häufiger bei Veränderungen alltagsweltlicher Vorstellungen entstehen als beim bloßen Beibehalten oder vollständig neuen Ansatz. Dies wird als fördernswerter "Kreativbereich" theologischen Nachdenkens charakterisiert. Der ressourcenorientierte Ansatz – Vergleich der Vorstellungen auf Basis alltagsweltlicher statt fachlicher Perspektiven – erlaubt einen stärker konstruktiven Blick auf theologische Schüler*innenvorstellungen.