Der Artikel behandelt die wegweisenden Erkenntnisse der Hattie-Studie (2009) für die Religionspädagogik. Hattie analysierte 800 englischsprachige Metaanalysen mit über 50.000 Studien, in denen 83 Millionen Schüler/-innen untersucht wurden. Die Studie ordnet 138 Faktoren in sechs Bereiche: Elternhaus, Lernende, Schule, Curriculum, Lehrende und Unterricht. Zentrale Befunde widerlegen verbreitete Mythen: Hausaufgaben sind weniger wirksam als ihre didaktische Einbettung, Klassengröße hat geringere Effekte als erwartet, und Lehrerfortbildungen in der Praxis sind hocheffektiv. Der Autor betont drei wichtigste Faktoren nach Hattie: das Vertrauen der Schüler/-innen in ihre Leistung, altersgerechter Unterricht und kontinuierliche Überprüfung des Unterrichtserfolgs. Die zentrale Rolle der Lehrperson wird unterstrichen – nicht als Facilitator, sondern als aktiver Regisseur des Unterrichts. Direkte Instruktion wird als hocheffektiv rehabilitiert, wenn sie schülerzentriert konzipiert ist und sieben Schritte umfasst: klare Ziele, aktive Schülerbeteiligung, genaues Verständnis des Lehrpersonals, permanente Überprüfung, angeleitetes Üben, Bilanzierung und praktische Anwendung. Feedback wird als zentrale Konsequenz der Studie identifiziert – sowohl Rückmeldung an Lehrende als auch an Lernende über deren Lernstand. Hohe Erwartungen sind wirksam, wenn sie nicht überfordern. Der Beziehungsaspekt – Vertrauensvertrag zwischen Lehrperson und Schüler/-innen – wird als grundlegend für Lernerfolg hervorgehoben. Für den Religionsunterricht konkretisiert der Autor die Implikationen: Religionslehrkräfte müssen ihre Wirksamkeit bewusster benennen, konfessionelle Dimensionen authentisch vermitteln und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Die Studie führt zu Fragen zur religionsdidaktischen Ausbildung und zur Professionalisierung der Lehrerschaft.