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Religionspädagogische BeiträgeIris Mandl-Schmidt

Religionspädagogische Beiträge,

Iris Mandl-Schmidt

Kritische Beobachtungen zur programmatischen Kindertheologie

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel analysiert kritisch die programmatische Kindertheologie, ihre Entstehungsgeschichte, konzeptionellen Grundlagen sowie empirischen Unschärfen. Mandl-Schmidt untersucht die Begrifflichkeit, pädagogische Fragen der Asymmetrie und beleuchtet Chancen und Grenzen des innovativen religionspädagogischen Ansatzes anhand von Fallbeispielen aus der Praxis.

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Iris Mandl-Schmidt bietet eine umfassende kritische Analyse der programmatischen Kindertheologie, die sich seit 2002 als eigenständiger religionspädagogischer Ansatz etabliert hat. Der Artikel zeichnet zunächst die historischen Anfänge nach: Gerhard Büttner (evangelisch) und Anton Bucher (katholisch) diagnostizierten eine religionspädagogische Vernachlässigung des Elementar- und Primarbereichs, was zur Gründung des "Jahrbuchs für Kindertheologie" führte. Das Motiv der Kindertheologie liegt in der konsequenten Beachtung der kindlichen Perspektive und der Hoffnung, von Kindern inspiriert zu werden. Im konzeptionellen Teil analysiert Mandl-Schmidt die Begrifflichkeit kritisch. Sie problematisiert, dass "Theologie" in doppelter Weise verstanden wird: einerseits als wissenschaftliche Glaubensreflexion von Fachleuten, andererseits als religiöse Rede gläubiger Menschen. Friedrich Schweitzer unterschied später zwischen Theologie der Kinder, Theologie mit Kindern und Theologie für Kinder. Mandl-Schmidt merkt an, dass diese Differenzierungen zwar eine religionspädagogische Perspektive schaffen, aber zu wenig präzisen Abgrenzungen führen. Ein zentrales kritisches Thema ist die "Projektionsgefahr": Heinz Schmidt warnte, dass Erwachsene ihre eigenen Auffassungen in Kinderäußerungen projizieren können. Renate Hofmann dokumentierte suggestive Fragetechniken und den sogenannten Rosenthal-Effekt. Damit verbunden ist die Frage nach der pädagogischen Symmetrie bzw. Asymmetrie zwischen Kindern und Erwachsenen. Mandl-Schmidt argumentiert, dass pädagogische Asymmetrie unüberwindbar ist und die Rede von Symmetrie problematisch sein kann. Bei den empirischen Unschärfen kritisiert Mandl-Schmidt, dass Erfahrungsberichte nicht klar von empirischen Studien unterschieden werden. Sie analysiert drei Fallbeispiele: existentielle Überlegungen eines Kindes zur Existenz, Glücksvorstellungen von Kindern sowie das Malen von Gott. Diese Beispiele zeigen, wie Forscherinnen kindliche Äußerungen teilweise vereinnahmend deuten, ohne die empirischen Daten angemessen auszuwerten. Trotz dieser kritischen Punkte würdigt Mandl-Schmidt den fruchtbaren Theorie-Praxis-Austausch. Sie betont, dass die Kindertheologie das Potenzial von Kindern und Jugendlichen zur theologischen Reflexion ernst nimmt und damit auch die Theologie insgesamt bereichern kann. Allerdings plädiert sie dafür, klarer zwischen programmatischer Kindertheologie und allgemeiner Religionspädagogik zu unterscheiden. Sie schlägt vor, ein alternatives Publikationsorgan zu schaffen, das systematisch empirische Studien, praktische Unterrichtsbeispiele und religionsdidaktische Diskurse in Kooperation mit Praktikern und Forschenden veröffentlicht.

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