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Religionspädagogische BeiträgeHans Schmid

Religionspädagogische Beiträge,

Hans Schmid

Religion gebrauchen

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel kritisiert die zunehmende Kompetenzorientierung im Religionsunterricht und ihre Auswirkungen auf schulisches Lernen. Schmid argumentiert, dass die strikte Ausrichtung auf Kompetenzen gegenüber Inhalten zu einer Verflachung des Bildungsprozesses führt und die substantielle Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung gefährdet. Gleichzeitig wird die Verbindung zu konstruktivistischen Lernverständnissen kritisch hinterfragt.

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Hans Schmid setzt sich kritisch mit der Logik der Kompetenzorientierung im Religionsunterricht auseinander. Er formuliert drei zentrale Thesen: (1) Die Kompetenzorientierung ist inzwischen formalistisch erstarrt und verliert ihre argumentative Kraft, besonders weil sie sich von der bisherigen Schulpraxis abgrenzt und einen „Paradigmenwechsel" proklamiert. (2) Die Dominanz der Kompetenzen gegenüber Inhalten, das funktionale Denken sowie die Blindheit gegenüber der Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung verhindern eine echte Verankerung der Kompetenzorientierung im schulischen Handlungsraum. (3) Es ist eine fundamentale Neuausrichtung erforderlich. Schmid erörtert das Verhältnis von Kompetenzen und Inhalten anhand der Martins-Geschichte und zeigt, dass Inhalte nicht bloße Mittel zum Zweck sind, sondern Eigenwert haben. Er unterscheidet zwischen „immanenter Betrachtung" (Erschließung des Eigengehalts einer Erzählung) und „kontextueller Betrachtung" (Deutung im Kontext von Anforderungssituationen). Die kompetenzorientierte Logik führt zur Flächung, wenn Anforderungssituationen zentral gestellt werden. Kritisch analysiert Schmid auch die Liaison zwischen Kompetenzorientierung und konstruktivistischem Lernverständnis. Das Ideal des selbstgesteuerten Lernens verkennt, dass schulisches Lernen ein angeleiteter Prozess ist, in dem Lehrerinnen und Lehrer zentral sind. Sie leihen den Schülern ihren Horizont und ermöglichen damit Verstehen. Das Konzept der „Moderation" selbstgesteuerter Lernprozesse verkennt die pädagogische Funktion der Lehrkraft. Abschließend entwickelt Schmid das hermeneutische Problem: Die Schüler können ihr unmittelbares Verstehenshorizont nur durch Identifikation mit der Lehrkraft transzendieren. Schulisches Lernen ist nicht primär selbstgesteuert, sondern immer ein gemeinsamer Prozess, der drei fundamentale Dimensionen verbindet: die Beziehung zur Lehrkraft, zur Mitschülergemeinde und zur eigenen Person. Die Kompetenzorientierung mit ihrer Betonung von Individualisierung und Selbststeuerung gefährdet diese Balance und führt zu geistiger und seelischer Verarmung.

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