Der Artikel verfolgt die Entwicklungsgeschichte der islamischen Religionspädagogik in Russland über mehr als ein Jahrtausend. Die Analyse beginnt mit der Bulgharer Periode (ab 922 n.Chr.), als der Islam zur offiziellen Religion der Wolga-Ural-Region wurde und ein blühendes Bildungssystem mit Maktabs und Madrasas entstanden war. Während der Kolonialperiode führte die forcierte Christianisierung und Russifizierungspolitik zu einer Zerstörung der islamischen Bildungsstrukturen. Ab den 1770er Jahren ermöglichten liberalere Bedingungen eine Wiederherstellung des Bildungssystems. Das neunzehnte Jahrhundert war gekennzeichnet durch Reformbewegungen (Dschadidismus), die modernsierte Unterrichtsmethoden und Curricula einführten. Die Sowjetzeit bedeutete das Ende der organisierten islamischen Bildung. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entwickelte sich ein neues, staatlich strukturiertes Islamisches Bildungssystem mit mehreren Ebenen: Kindergärten, Schulen, Madrasas, Universitäten und Postgraduiertenprogramme. Die Arbeit zeigt, dass heute in Russland ein staatlich finanziertes und reguliertes Ausbildungssystem für Imame und islamische Fachleute besteht, während die Vermittlung grundlegenden islamischen Wissens hauptsächlich durch ergänzende, informelle Bildungsangebote von Moscheen und Muslim-Organisationen stattfindet. Ein zentrales Problem bleibt die fehlende einheitliche nationale Koordination des islamischen Unterrichts.