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Religionspädagogische BeiträgeBernhard Dressler

Religionspädagogische Beiträge,

Bernhard Dressler

Bildung - ein ökumenischer Leitbegriff der Religionspädagogik?

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht aus evangelischer Perspektive, ob Bildung ein ökumenischer Leitbegriff der Religionspädagogik sein kann. Dressler argumentiert für eine Unterscheidung zwischen der Genesis und Geltung des Bildungsbegriffs und plädiert für eine ökumenische Perspektive religiöser Bildung, die konfessionelle Unterschiede nicht stofflich-thematisch definiert, sondern perspektivisch ausdifferenziert.

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Bernhard Dressler untersucht in seinem Artikel die Frage, ob Bildung ein ökumenischer Leitbegriff der Religionspädagogik sein kann. Der Artikel gliedert sich in sechs Hauptteile. Zunächst kritisiert Dressler die semantische Entgrenzung des Bildungsbegriffs in der gegenwärtigen Bildungspolitik, die Schulen zunehmend als Dienstleistungsunternehmen für den Arbeitsmarkt versteht, statt sie als Institutionen zur Vorbereitung auf „Mitgesamttätigkeit" (Schleiermacher) zu begreifen. Bildung sollte demnach als eigenartige Verbindung von Welterschließung und Selbstreflexion verstanden werden, die Erziehung und Ausbildung unterscheidet. Im zweiten Teil argumentiert Dressler für eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Genese und Geltung des Bildungsbegriffs: Während der Bildungsgedanke christliche Wurzeln hat, darf er daraus nicht exklusiv für das Christentum in Anspruch genommen werden. Dies ermöglicht Theologie und Pädagogik gegenseitige Anschlussfähigkeit ohne gegenseitige Normierung. Der dritte Teil behandelt religiöse Bildung und differenziert dabei zwischen Religion als welterschließende kulturelle Praxis sui generis (unterschieden von Metaphysik und Moral) und wissenschaftlicher Theologie. Dressler betont, dass Religion als „Sinn und Geschmack für das Unendliche" andere Welterschließungsformen nicht konkurrenziert. Der vierte Teil diskutiert das Verhältnis von Glaube und Bildung. Dressler warnt davor, Glaubenssätze als kosmologische Sachverhaltsspekulationen zu missverstehen. Stattdessen geht es darum, die unterschiedlichen Modi des credo („Ich vertraue jemandem") und puto („Ich vermute etwas") zu unterscheiden. Der fünfte Teil behandelt religiöse Bildung und Kirche aus reformatorischer Perspektive. Da Menschen gegenüber Gott unvertretbar sind, muss Glaube individuell angeeignet werden. Dies erfordert eine Didaktik der Aneignung vor einer Didaktik der Vermittlung. Dressler erörtert konfessionelle Unterschiede: Im Protestantismus vermittelt sich das Kirchenverhältnis über das Christusverhältnis, im Katholizismus umgekehrt. Gleichzeitig betont er, dass religiöse Praxis (Vollzugsformen) nicht ausgeblendet werden darf. Der sechste Teil behandelt Bildung und Kanon. Dressler argumentiert, dass Bildung nicht mehr stofflich-material gedacht werden kann und es keinen abgeschlossenen Kanon von „Bildungsgütern" mehr gibt. Die Integrationsleistung liegt allein bei den Subjekten. Dies eröffnet eine ökumenische Perspektive: Konfessionalität kann nicht mehr stofflich-thematisch durch unterschiedliche Lehrplangehalte bestimmt werden, sondern nur noch als „Feinjustierung" perspektivischer Optik. Abschließend plädiert Dressler für konfessionelle Kooperation im Religionsunterricht und schlägt vor, dass Religionslehrkräfte „Sinn und Geschmack" für Religion aus Teilnehmerperspektive vermitteln sollten.

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