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Religionspädagogische BeiträgeBernd Schröder

Religionspädagogische Beiträge,

Bernd Schröder

Die Diskussion um den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht seit 1993 bis heute

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel zeichnet anhand von Archivalien die Entstehung und Entwicklung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts in Niedersachsen seit 1991 nach. Dabei werden frühere Initiativen aus dem 19. Jahrhundert und den 1970er-Jahren berücksichtigt und religionspädagogische Beobachtungen zur Genese dieser Unterrichtsform angestellt. Der Prozess führte vom Gerichtsurteil von 1991 über verschiedene Vereinbarungen bis zur Ministerialerlassung 1998 und perspektivisch zu einem „gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterricht".

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Der Artikel rekonstruiert die historische Entwicklung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts am Beispiel des Bundeslandes Niedersachsen auf Basis von Archivalien. Ausgangspunkt ist ein Verwaltungsgerichtsurteil vom 22. Mai 1991, das die Teilnahme eines katholischen Kindes am evangelischen Religionsunterricht ermöglichte und damit kirchliche Beratungen in Gang setzte. Der Autor zeigt, wie diese Beratungen zwischen den katholischen Bistümern und evangelischen Landeskirchen über mehrere Jahre verliefen: 1992 entstand eine Vereinbarung, die aber nicht in Kraft gesetzt wurde; 1993 wurde ein Bericht zur ökumenischen Kooperation veröffentlicht, der als Diskussionsbeitrag fungierte; erst 1998 trat ein Ministerialerlass in Kraft, der konfessionelle Kooperation an Schulen ermöglichte. Der Artikel situiert diese Entwicklung in längeren historischen Linien: Er verweist auf frühere Initiativen konfessionsübergreifenden Religionsunterrichts im 19. Jahrhundert (Herzogtum Nassau 1817) und in den reformerischen Debatten der 1970er-Jahre. Er analysiert, wie zwei konkurrierende Motive die Diskussion prägten: ein minimalistisches Motiv zur Regelung von Irregularitäten des Unterrichtsbetriebs und ein reformerisches Motiv zur Weiterentwicklung des Religionsunterrichts angesichts religiöser Pluralisierung. Die Rekonstruktion zeigt die Rolle der Deutschen Bischofskonferenz, welche anfangs eher restriktiv position wurde, sowie die Bedeutung der EKD-Denkschrift von 1994 für die Dynamik. Der Artikel dokumentiert die steigende Akzeptanz konfessionell-kooperativen Unterrichts durch Antragszahlen und Schülerquoten. Er erörtert auch, welche Aspekte in den kirchlichen Beratungen weniger beachtet wurden (theologische Differenzen, didaktisch-methodische Arrangements, Schüler- und Lehrerperspektiven). Abschließend wird der jüngste Vorschlag aus 2021 skizziert, alle Formen des Religionsunterrichts in Niedersachsen ab 2023/2024 in einem „gemeinsam verantworteten christlichen Religionsunterricht" zusammenzuführen.

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