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Religionspädagogische BeiträgeAngela Kaupp

Religionspädagogische Beiträge,

Angela Kaupp

„Think Tank: Quo vadis, Religionspädagogik?“

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel behandelt Biografieorientierung als religionsdidaktisches Prinzip und analysiert verschiedene Formen biografischen Lernens. Im Fokus stehen autobiografische Lernprozesse, das Lernen anhand fremder Biografien sowie geschlechtersensible Perspektiven auf religiöse Lernprozesse. Der Autorin zufolge sind Lebensgeschichte und biografische Reflexion zentral für religiöses Lernen, insbesondere im Erwachsenenalter.

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Angela Kaupp untersucht in ihrem Artikel die Bedeutung von Biografieorientierung für religiöse Lehr- und Aneignungsprozesse. Sie argumentiert, dass ohne Biografie kein Lernen stattfindet und dass Biografisches Lernen als religionsdidaktisches Prinzip in einschlägige Handbücher Eingang gefunden hat. Der Artikel unterscheidet drei Formen biografischen Lernens: (1) Autobiografisches Lernen anhand der eigenen Lebensgeschichte, wobei biografische Selbstreflexion drei Funktionen erfüllt – kognitiv-aufklärerisch, affektiv-integrierend und pragmatisch-handlungsleitend. (2) Biografie-orientiertes Lernen, das Verbindungen zwischen theologischen Inhalten und lebensgeschichtlichen Erfahrungen schafft. (3) Lernen an fremden Biografien, wobei diese als Partituren verstanden werden, die der Interpretation durch den heutigen Leser bedürfen. Kaupp betont die Bedeutung von „signifikanten anderen" für religiöse Lernprozesse und diskutiert, wie fremde Biografien – etwa von Heiligen – als Orientierungshilfen funktionieren können. Sie unterscheidet zwischen Vorbildern (zur Nachahmung) und Modellen (als kritisierbare Orientierungshilfen). Ein wesentlicher Aspekt ist die geschlechtersensible Perspektive (doing gender). Kaupp zeigt auf, dass biografische Lernprozesse von Geschlechterverhältnissen durchdrungen sind und dass diese in religionspädagogischen Analysen oft vernachlässigt werden. Sie fordert, dass biografie-orientierte Lernprozesse Erfahrungen zur Sprache bringen, die sowohl aus der Perspektive von Religion als auch von Geschlecht bedeutsam sind. Für das Glaubenlernen Erwachsener werden spezifische Kriterien biografischen Lernens herausgearbeitet: selbstorganisiertes Lernen aus Erfahrungen, diskontinuierliches Lernen bei Gelegenheit, ökologisches Lernen in Lebenswelten, Lernen in Widersprüchen und Brüchen, symbolisierendes Lernen in Szenen und Sprüchen, affektives Lernen von Gefühlen sowie reflektierendes Lernen im Umschreiben von Erfahrungen. Kaupp konstatiert, dass biografisch-orientierte Lernformate schwer zu bestimmen sind, da sie explizit und implizit stattfinden und sich oft erst im Rückblick über längere Zeiträume als Lernprozesse erkennen lassen. Sie plädiert für weitere Forschung zu biografie-orientierten religiösen Lernprozessen, insbesondere im Kontext von doing-gender und verschiedener kultureller Kontexte.

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