Andreas Prokopf analysiert Oliver Rundts Unterrichtsstunde ueber Suizid als Modellfall fuer sein Konzept des 'Sein-Lassens' im Religionsunterricht. Er greift auf Karl Rahners Theologie der Unverfuegbarkeit und Thomas von Aquins Begriff der actualitas zurueck, um zu zeigen, dass religioese Erfahrung nicht hergestellt, sondern nur ermoeglicht werden kann. Prokopf referiert Porzelts zwei Theorien gelingenden Religionsunterrichts und plaediert dafuer, den non-direktiven Stil Rundts als bewusstes didaktisches Konzept zu verstehen. Mit Charles Sanders Peirces Begriff der Abduktion beschreibt er, wie Schuelerinnen und Schueler in einem offenen Unterrichtsgespraech zu unerwarteten religioesen Deutungen gelangen. Das scheinbare 'Laufenlassen' des Lehrers erscheint so als raffinierte paedagogische Strategie, die authentische religioese Auseinandersetzung ermoeglicht.