Der Artikel untersucht den islamischen Religionsunterricht (IRU) in Bosnien und Herzegowina mithilfe eines von der OECD entwickelten Curriculum-Analyse-Modells mit vier Ebenen: Makro-, Exo-, Meso- und Mikrosystem. Auf der Makrosystem-Ebene werden der säkulare Rechtsstaat und die Rolle der Islamischen Gemeinschaft Bosniens und der Herzegowinas (ICBH) analysiert. Der IRU wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verboten und 1991/1992 wiedereingeführt, mit offizieller Anerkennung 1994/1995. Die Exosystem-Ebene behandelt die Lehrerausbildung: IRU-Lehrer müssen einen BA-Abschluss von einer der drei islamischen Fakultäten haben und eine Lizenz der ICBH erhalten. Die Mesosystem-Ebene untersucht die Lehrplanintegration und identifiziert vier Wertetypen: moralische, weltanschauliche, kulturelle und soziale Werte. Die Mikrosystem-Ebene analysiert Unterrichtsmethoden und zeigt, dass trotz Empfehlungen für aktive Lernmethoden noch traditionelle Ansätze vorherrschen. Der Artikel identifiziert vier Entwicklungsphasen: (1) Anfangsenthusiasmus (1990er), (2) Konsolidierung (frühe 2000er), (3) Debatten (Mitte bis späte 2000er) und (4) Professionalisierung (späte 2000er). Die Ergebnisse zeigen, dass bisherige drei Jahrzehnte von Diskussionen auf Makro- und Exosystem-Ebene dominiert wurden, während künftig mehr Aufmerksamkeit der Mikrosystem-Ebene gewidmet werden sollte.