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Der Neue Atheismus: Metaphysik und Lebensform

Veröffentlichung:1.1.2015

Der Fachartikel ist im Heft RELIGIONSUNTERRICHTheute 01 2015 unter dem Titel „Der Neue Atheismus Metaphysik und Lebensform“ erschienen und umfasst die Seiten 4 bis 7.

Der Beitrag analysiert den sogenannten Neuen Atheismus als Verbindung von metaphysischem Naturalismus und säkularer Lebensform. Er zeigt, dass aus dem methodischen Naturalismus der Naturwissenschaften ein weltanschaulicher Monismus geworden ist, der andere Rationalitätsformen ausschließt. Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Probleme der Gotteserkenntnis unter naturalistischen Voraussetzungen, die Frage nach Freiheit, Bewusstsein und Sinn sowie die Herausforderung religiöser Hoffnung in einer säkularen Kultur.

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Der Artikel beschreibt zunächst die historische Entwicklung des methodischen Naturalismus. Seit der Neuzeit konzentrieren sich die Naturwissenschaften auf immanente Ursachen und mathematisch beschreibbare Prozesse. Diese methodische Selbstbeschränkung war außerordentlich erfolgreich. Problematisch wird sie jedoch dort, wo sie zu einem metaphysischen Naturalismus ausgeweitet wird, der behauptet, es gebe ausschließlich materielle Wirklichkeit. Damit erhebt der Naturalismus den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit zu erklären und andere Erkenntnisformen wie Theologie oder Geisteswissenschaften als minderwertig auszuschließen.

Der Neue Atheismus wird als eine Bewegung dargestellt, die diesen metaphysischen Naturalismus offensiv vertritt. Prominenter Vertreter ist Richard Dawkins, der mit populärwissenschaftlichen Werken wie Der Gotteswahn den Glauben an Gott als irrational bekämpft. Unterstützt wird diese Programmatik durch Organisationen wie die Richard Dawkins Foundation for Reason and Science sowie durch Netzwerke wie die The Brights' Net. Der Neue Atheismus tritt nicht nur als wissenschaftliche Position, sondern als umfassende Weltanschauung und Lebensform auf.

Auf wissenschaftlicher Ebene stellt sich die Frage, ob eine nicht materialistische Wirklichkeitsauffassung überhaupt noch vertretbar ist. Der Naturalismus beruft sich auf das Prinzip der Sparsamkeit und auf seine Nähe zur Evolutionstheorie. Dennoch weist der Artikel auf ungelöste Probleme hin. Besonders schwierig ist es, Bewusstsein, Geist, Selbstreflexion und Freiheit rein materialistisch zu erklären. Weder die starke noch die schwache Form der Ableitung des Mentalen aus der Materie konnte überzeugend gezeigt werden. Der Naturalismus gerät hier in Erklärungsnot.

Zugleich kritisiert der Autor den erkenntnistheoretischen Monopolanspruch des Naturalismus. Wenn nur empirisch messbare Phänomene als wissenschaftlich gelten, werden andere Zugänge zur Wirklichkeit von vornherein ausgeschlossen. Dadurch entsteht ein Zirkelschluss. Was nicht in das methodische Raster passt, wird gar nicht erst als Wirklichkeit anerkannt. Aussagen wie Gott sei nicht auffindbar unter dem Mikroskop verkennen, dass empirische Methoden nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit erfassen.

Auf der Ebene der Lebensform beschreibt der Artikel eine neue radikale Säkularität. Religiöse Deutungsmuster erscheinen vielen Menschen nicht mehr als Gegenposition, sondern als völlig fremd. Der Glaube wirkt nicht mehr als bekämpfte Alternative, sondern als bedeutungslos. Dennoch bemühen sich auch säkulare Menschen um moralisches Handeln und gesellschaftliches Engagement. Ein Leben ohne Gott ist nicht automatisch unmoralisch oder sinnlos.

Was jedoch fehlt, so die Argumentation, ist eine letzte Hoffnungsperspektive. Ohne Gott gibt es keinen Adressaten der Hoffnung, dass Leid, Schuld und Tod nicht das letzte Wort behalten. Der metaphysische Naturalismus kennt keinen übergreifenden Sinn. Das Individuum entsteht zufällig und vergeht bedeutungslos. Fragen nach Gerechtigkeit, endgültigem Sinn oder Erlösung bleiben unbeantwortet.

Demgegenüber eröffnet eine nicht naturalistische Metaphysik eine größere Wirklichkeitsfülle. Erfahrungen von Schönheit, moralischem Wert und Wahrheit können als reale Dimensionen verstanden werden. Hoffnung wird als vernünftige Option dargestellt, weil es widersinnig erscheine, wenn Unrecht und Sinnlosigkeit letztlich triumphierten.

Abschließend zeigt der Artikel zwei Perspektiven auf. Erstens wird betont, dass zwischen metaphysischen Systemen nicht empirisch entschieden werden kann, sondern anhand ihrer Fähigkeit, Wirklichkeit umfassend zu deuten. Zweitens wird gefragt, wie Transzendenzerfahrungen heute möglich sind. Anknüpfend an Charles Taylor werden Erfahrungen unbedingter Liebe, schöpferischer Sinnsuche und existenzieller Erfüllung als mögliche Zugänge zur Transzendenz beschrieben. Solche Erfahrungen können eine Deutung eröffnen, die Gott als letzte Erfüllung des menschlichen Verlangens versteht.

Insgesamt versteht der Artikel den Neuen Atheismus nicht nur als intellektuelle Position, sondern als Ausdruck einer bestimmten Bewusstseinsform der Moderne. Er plädiert dafür, die naturalistische Engführung zu hinterfragen und Räume für eine erneuerte religiöse Deutung der Wirklichkeit offenzuhalten.

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